Der Begriff Resilienz wird längst überstrapaziert, insbesondere in bestimmten Diskursen wie Wirtschaft, Bildung, Psychologie oder Politik. Es lohnt sich aber, genauer hinzusehen, warum das so ist:
Trotz der Übernutzung bleibt Resilienz ein wertvolles Konzept – wenn es differenziert und kontextbezogen verwendet wird. Es kann helfen, sowohl individuelle als auch kollektive Bewältigungsmechanismen zu verstehen und zu fördern. Die Herausforderung besteht darin, den Begriff mit Inhalt und Verantwortung zu füllen.
Ein anerkanntes Modell zur Entwicklung organisationaler Resilienz stammt von Diane Coutu, Erika James, Andrew Zolli, sowie Organisationen wie dem Resilience Institute oder der International Organization for Standardization (ISO 22316). Diese Konzepte überschneiden sich in wesentlichen Aspekten und lassen sich in einem praxisnahen 7-Säulen-Modell zusammenfassen, das zentrale Elemente für resiliente Organisationen beschreibt:
1. Kultur der Achtsamkeit und Wachsamkeit
Resiliente Unternehmen sind nicht überrascht, wenn die Krise kommt – sie sind vorbereitet, weil sie wachsam waren.
2. Klarer Sinn & geteilte Werte
Sinn gibt Orientierung – besonders dann, wenn Routinen nicht mehr greifen.
3. Agile Strukturen & Entscheidungsprozesse
Nicht das größte oder schnellste Unternehmen überlebt – sondern das anpassungsfähigste.
4. Redundanzen & Puffer
Effizienz ist gut – aber zu viel davon kann fragil machen.
5. Lern- und Entwicklungskompetenz
Resilienz wächst mit jeder bewältigten Herausforderung – wenn man daraus lernt.
6. Soziales Kapital & Netzwerke
In der Krise zählt, wen du anrufen kannst – und wer ans Telefon geht.
7. Resiliente Führung
Führung ist der Multiplikator von Resilienz – oder ihr größtes Hindernis.
Ein Unternehmen wird nicht resilient gemacht, sondern entwickelt kontinuierlich Resilienz durch gezielte Maßnahmen: